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Freitag, 5. September 2025

Wilhelm Rettler: Einsicht(en)

 Eine Sammlung zur konstruktiven Polemik

In der antiken Rhetorik Athens und Roms war dieser Ausdruck Polemik deutlich anders belegt. Urspünglich galt sie als intellektuelle Herausforderung einer öffentlichen Streitkunst. Sicherlich wurde sie auch mit streitlustiger Schärfe durch Ironie, Übertreibung oder Sarkasmus geführt. Polemos kommt ja von Streit. Aber letztlich diente sie den Sophisten doch der Verständigung trotz unterschiedlicher Argumente.

Heute hat Polemik oft einen negativen Beigeschmack und meint dann oft, dass Agieren mit unsachlichen  Agriffen, persönlichen Diffamierungen und begrifflichen Unklarheiten.

Rettler bringt den bei vielen verloren gegangen Mut auf, vor allem durch Klärung von Begriffen und Gegenüberstellung von Argumenten, die Polemik wieder dahin zu holen, wo sie hingehört: in eine Kultur des Streits. Er beabsichtigt damit, die abgeflachte äußere Diskussion über soziale und politische Probleme wieder in Gang zu bringen, unterschiedliche Auffassungen zu vergleichen und gemeinsame Nenner zu finden. Ein paar thematische Beispiele:

- Begriffsvertauschung und Meinungsmanipulation,

- über Ausbeutung,

- Konsequenzen aus der Mehrwerttheorie,

- über Ideologie,

- Kapitalismus oder Menschlichkeit...

Wer polemisch argumentiert, kann natürlich argumentativ überziehen. Aber selbst dann, wenn er/sie das nicht tut, werden Polemiker häufig als "Meckerer" und "unbequeme Störenfriede" abgetan.

In Rettlers Büchlein "Einsicht(en) ist das nicht der Fall, auch wenn ich hin und wieder anderer Auffassung bin. Es ist vielmehr wie ein helfender Zeigestock an der Anzeigetafel unserer widerspruchvollen Zeit.


Danke, Wilhelm

Mittwoch, 5. Februar 2020

Polemik mit Körpersprache und Materialzerstörung

Nancy Pelosi (Demokratische Partei) zerreißt demonstrativ das Manuskript der Trump-Rede und nennt diese ein "Manifest der Umwahrheiten"

https://www.youtube.com/watch?v=QLsSXVGND24

Montag, 5. August 2019

Was ist Rhetorik?

Zur Doppelbelegung des Begriffs

Leider gibt es für den Begriff Rhetorik mehrere Auslegungsmöglichkeiten, die allerdings nicht jedem so oder so geläufig sind. Zunächst ist darunter die wissenschaftliche Lehre von der erfolgreichen Gestaltung von Reden und Gesprächen zu verstehen. Dann gehört Rhetorik unbedingt zu Demokratie, zur humanistischen Bildung und zur Konfliktlösung im beruflichen oder persönlichen Sinne.

Aber es hat sich auch eingebürgert, in mehr oder weniger abfälliger Weise von Rhetorik zu sprechen, wenn ich damit das politische Auftreten von jemanden, und vor allem seine verbale Ausdrucksweise, als negativ kennzeichnen will. In diesem Zusammenhang hört man dann Begriffe wie Kriegsrhetorik, Schwarze Rhetorik oder Polemik. 

Ein aktuelles Beispiel ist die heutige Civey-Umfrage, deren Resultat jedoch darauf hinweist, dass eine solche Begriffswahl manchmal auch angebracht ist, wenn man nur weiß, was man damit sagen will, und die anderen das auch so verstehen.

https://civey.com/umfragen

Montag, 23. Januar 2017

Zur Diskussion

Ist Redefreiheit nur für Gleichgesinnte?

Bitte hier anklicken.

Oder:



Dieser im Revolutionsjahr 1848 im Volksmund oft gebrauchte Spottvers ist angelehnt an das in der 

Französischen Revolution entstandene, den Jakobinern zugeschriebene Wort La fraternité ou la mort!, zu Deutsch »Brüderlichkeit oder Tod!«

Fürst Bernhard von Bülow (1849-1929); Reichskanzler unter Wilhelm II,
hat den Vers 1903 in einer Rede während einer Auseinandersetzung im Reichstag verwendet und ihm dadurch zu neuer Popularität verholfen. Er wurde in der Folgezeit immer wieder zur Kennzeichnung von Situationen zitiert, in denen nicht Argumentation und Überzeugungskraft, sondern Indoktrination und Gewalt eingesetzt wurden, um jemanden auf die eigene Seite zu ziehen.


Bitte hier anklicken.

Aktuelles Beispiel: Sean Spicer, Pressesprecher von Präsident Trump

Er beschimpfte die Medien, ließ keine Fragen zu und drohte der Presse: „Wir werden euch in die Verantwortung nehmen!“

Der erste Auftritt von Donald Trumps neuem Pressesprecher stand dem Twitter-Auftritt des neuen US-Präsidenten in nichts nach.

Spicer war den Medien eine falsche Berichterstattung über die Vereidigung Trumps vor. Die Presse habe den Eindruck erwecken wollen, dass deutlich weniger Menschen zur Amtseinführung in Washington gekommen seien, als dies der Fall gewesen sei, sagte er: „Dies war das größte Publikum, das je bei einer Vereidigung dabei war. Punkt.“

Freitag, 7. Oktober 2016

Rhetorisches Gift

PEGIDA. Warnsignale aus Dresden. 

Aktuelle Leseempfehlung

Werner J. Patzelt,
Professor für Systemvergleich an der TU Dresden, und
Joachim Klose,
Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer.Stiftung für Sachsen
u.a.

Sachsen ist dafür berühmt, dass hier viel technische und künstlerische Kreativität entstand. Und das Angebot reicht vom Aktendulli bis zum Zwinger, beinhaltet den BH ebenso wie den Teebeutel.

Auch sprachgeschichtlich gingen von hier wichtige Impulse aus. Das Sächsische Kanzlei (Verwaltungssprache im 16. Jahhundert, von Martin Luther bei der Bibel-Übersetzung genutzt) prägte die hochdeutschen Sprachgebrauch maßgeblich. Lene Voigt hat die Volkslyrik in nachhaltiger Weise mit ihrer sächsischen Mundart angereichert, was ihr die Nationalsozialisten allerdings als als "unheldische" (Martin Mutschmann) "Verschandelung" der deutschen Klassiker übel nahmen. Und von Dresden aus beobachete Victor Klemperer die Sprache des Dritten Reiches (LTI - Linguia Tertii Imperii). Er analysierte sie als den kommunikativen Absud der Nazis.

Und nun kommt  Professor Patzelt. Das o.g. Buch (667 Seiten) widmet sich einem aktuellen Phänomen. In Dresden entwickelte sich durch PEGIDA seit 2014 eine besonders makabere Form des deutschen Rechtspopulismus. Seine sprachlich-medialen Geburt fand sozusagen auf dem Theaterplatz statt. Es entstand eine Sammlungsbewegung, die einen angstschürendem Rassismus und die Kritik an der Einwanderungs- und Integrationspolitik, die Unfriedenheit gegenüber der politischen Herrschaft und die vorhandenen Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland aufgriff und damit wöchentlich Tausende auf die Straßen brachte. Es fand eine rhetorische Überproduktion statt wie selten. Und hier trifft die oft zitiert Erkenntnis Klemperers zu: "Worte können wie winzige Arsendosen sein: Sie werden unbemerkt verschluckt; sie scheinen keine Wirkung zu tun - und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da." Taumelnder Protest ohne Ziel und Programm. Verrohung in den den öffentlichen Beziehungen. Rhetorisches GiftFanatiker erzeugten nahezu Veithstänze. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Ein wenig Ermüdung sieht man allerdings schon. Und deshalb kam es auch zum Nationalfeiertag zu einigen blinden Wutattacken, die selbst aus den Reihen der AfD abgelehnt werden.

Die Reden und Sprechchöre der Rechtspopulisten strotzen nur so von giftigerzeugenden Worthülsen und Fäkalvokabeln wie Lügenpresse, Multi-Kulti-Scheiße, Moslemmüllhalde, Islamisierung, Kinder-Ficker-Partei, Volksverräter. Da erinnert vieles an LTI. Und die Demonstrationszüge werden oft genug und sichtbar von Rechtextremisten unterwandert und unterstützt. Patzelt stellt das ausführlich dar und gibt umfangreiche Ansätze für die Auseinandersetzung. Dabei ist der dresdner Politikwissenschaftler selbst nicht unumstritten. Die Denkwelt der Pegida-Gegner ist ja ebenfalls widersprüchlich in sich. So wirft ihm z.B. die Juso-Hochschulgruppe Halle Pegida-Verharmlosung vor, die nicht in die Seminare und Vorlesungen gehöre. Genug gepatzelt?

Gewiss: Das Buch ist keine leichte Wochendlektüre zu Kaffee und Kuchen. Und sie bietet auch keine ideale Checkliste zur Zurückdrängung des Rechtspopulismus. Aber wie soll man sich vereinfachend und vielleicht gar banalisierend mit einer komplexen Erscheinung wie Pegdia auseinandersetzen?

Erschienen bei: w.e.b., Universitätsverlag und Buchhandel Eckhard Richter & Co. OHG, Dresden, 2016

Sonntag, 12. April 2015

Debatte - die Königsform der Rhetorik

Ein Beispiel aus dem Bundestag

Kontroverse Positionen treffen wir in der Alltagskommunikation sehr häufig an: spontan, natürlich, emotional - von Meinungstreit bis Prügelei. Von der rhetorischen Kommunikation erwarten wir ein kulturvolles Niveau und die Nutzung erprobter Regeln zur Konfliktlösung. Der Begriff Polemik wird allgemein meist negativ gebraucht. Er bedeutet: Streitgespräch. Manche strittigen Konflikte müssen eben auch aus-gestritten werden. Hier habe ich ein schönes Beispiel gefunden für die Problemhaftigkeit solcher Ansprüche: die Bundestagsdebatte zum Antrag der Fraktion B´90/DIE GRÜNEN für ein Kannabiskontrollgesetz am 30. März 2015.

Bitte hier anlicken.