Sonntag, 13. September 2026

Gendern oder falsch Gendern, das ist hier die Frage

Anteile an der Landtagswahl
in Sachsen-Anhalt für die AFD:
- männlich - 50%
- weiblich - 39%
Ist Wählerschaft geschlechtsneutral oder nicht?

Am 07.09.2026 wurde unter dem Titel "Erste Gedanken zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Info der Landesvorsitzenden der Linken Sachsen ins Netz gestellt. Dort hiess es u.a.

"Auch SPD und Grüne konnten zulegen, die Grünen besonders deutlich – vermutlich infolge taktischen Wählens. Das zeigt, wie volatil die Wähler*innenschaft derzeit ist. Viele Menschen stimmen im Zweifel für den Erhalt der Demokratie. Es ist aber keineswegs ausgemacht, dass diese Stimmen bei uns landen."

Das klingt komisch. Aber ich vermute, was es bedeuten soll. Deshalb sei mir eine stilistische (oder prinzipielle?) Kritik erlaubt. "Volatil" klingt etwas extravagant und kann auch "beweglich, schwankend, flüchtig, kurzlebig, temporär, ungesichert oder veränderlich" heißen. Einfacher wäre wohl besser. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Es ist halt Mode. Mich stört eher das monströse Wort "Wähler*innenschaft".

Nun braucht mich keiner darüber zu belehren, dass nach dem Grundgesetz ein geschlechtergerechter Sprachgebrauch angesagt ist. Und im DUDEN (28., S. 112 f.) werden dafür auch Vorschläge gemacht wie Studentinnen und Studenten, Student*innen oder Student/innen oder Student_innen, aber auch Studierende oder Gewählte. 

Die Gebrüder Grimm merkten in ihrem Deutschen Wörterbuch (19. Jahrhundert) an, dass es die Wörter "Gästin" oder "Menschin" durchaus gibt, aber dass sie doch ungewöhnlich klingen und kaum gebräuchlich sind. Wenn ich "alle Gäste" und "alle Menschen" sage, meine ich auch "alle", nämlich weibliche, männliche oder diverse andere Formen der Geschlechtlichkeit, die zu Gast sind. Muss ich dann sagen "die ganze Gästinnenschar". Noch lustiger klingt das bei "Menschinnenrecht", obwohl es beim Menschenrecht nicht nur nebenbei um die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft geht?

Als ich meine Frau, die Deutsch für Ausländer studierte und lehrte, danach fragte, wies sie mich strikt damit ab, dass Wörter mit dem Suffix "-schaft" oft geschlechterneutral sind. Wähler*innenschaft ist deshalb eine fehlerhafte und missglückte genderinklusive Form, weil die innere Struktur nicht stimmt.

Das bestätigt auch Copilot, mein KI-Freund (oder Freundin?) und führt Beispiele an wie Freundschaft, Landschaft, Belegschaft, Lehrerschaft oder Leserschaft.  Anders ist es, wenn der Wortstamm geschlechtlich markiert ist wie Bruderschaft oder Männerschaft, Schwesternschaft oder Hebammenschaft. Übrigens: In der NS-Zeit war eine Frauenschaft die Frauenorganisation der NSDAP und damit kein harmloses Kaffeekränzchen. Deshalb steht das Wort wohl auch gleich gar nicht im DUDEN.

Oder nehmen wir als Beispiel die "Mannschaft" als Spielgemeinschaft. Wenn da auch Frauen drin sind, müssten die wohl Mannschaftlerin heißen, was doch auch wieder dämlich klingt, oder? Die Engländer haben es da einfacher, wenn sie "Team" sagen, egal wer da mitspielt.  

Geschlechterprobleme sind im Sprachgebrauch eben oft schwierig zu erklären. Schon Mark Twain fragte, warum es die Frau, aber das Fräulein heißt. Letzteres wurde inzwischen. ganz abgeschafft, weil es diskrimierend und oft gar nicht stimmig ist. Manches ist auch gar nicht erklärbar und sollte einfach hingenommen werden: Warum ist die natürliche oder die künstliche Intelligenz weiblich, dafür aber der menschliche oder der heilige Geist männlich?

Zurück zur Wählerschaft: Sie meint die Gesamtheit aller Wähler. Aller! Sie ist geschlechtsneutral für alle Menschen, grammatisch gesehen, die wählen können oder gewählt haben. Das Gegenteil davon wäre Nichtwähler oder auch Nichtwählerinnen, wenn es sich auschließlich um Frauen handelt, die sich nicht an der Wahl beteiligen. "Wählerinnenschaft" ist wohl sprachlich korrekt bildbar, aber stilistisch nur bedingt "zweckmäßig". Es ist deshalb auch kein weit verbreiteter Terminus. Ich würde ihn nicht benutzen und eher "Wählerinnen und Wähler" sagen, vorausgesetzt, dass es auch auf Geschlechtertrennung verweisen soll.

Kurzum: Gendern ist wichtig. Aber es darf unseren Sprachgebrauch nicht unnötig verkomplizieren, widersprüchlich machen oder einfach nur albern klingen. Kriterien im Sprachgebrauch sollten Verständlichkeit, Klarheit und Korrektheit sein. Im gegenbeen Fall wird wieder einmal deutlich, wie wir uns mit Nebensächlichkeiten verzetteln können.


Mittwoch, 9. September 2026

Aktuelle Literatur

 Empfehlenswert: Gegen Ignoranz, Unwissenheit und Angst

Grimm, P.; Zöllner, O.: Ethik der künstlichen Intelligenz. Leben mit schlauen Maschinen. Kompaktwissen XL. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2026

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"Künstliche Intelligenz wirft komplexe ethische Fragen auf. Dieser Band beleuhtet das Thema kompakjt und umfassen:

  • Wie verändert KI unser Menschenbild?
  • Wer ist verantwortlich bei autonomen Entschiedungen?
  • Wie wirkt sich KI auf Medien  Kultur, Arbeitswelt, Politik, Nachhaltigkeit und Überwachung aus?
  • Welchen Einfluss hat Robotik auf Mensch und Psyche?"

Da ich diese Problematik aktuell in meinen Lehrveranstaltungen behandle, insbesondere zum Thema "Rhetorische Kommunikation", biete ich Euch an, auch darüber zu diskutieren. Wir dürfen nicht vergessen, selbst zu lernen!


Freitag, 14. August 2026

Das Entwurfsmanuskript liegt auf dem Tisch: Am 31. August ist Abgabetermin

 Rhetorik im digitalen Zeitalter

Von der Redekunst zur Optimierung der Kommunikation. Leitfaden für RednerInnen in Schule, Studium, Beruf und Politik

Inhalte:

1. Vorbemerkungen

2. Entwicklungsetappen der Rhetorik und ihre heutige Gültigkeit:
- Persönlichkeiten (Ethos, Pathos, Logos)
- Techniken und Strukturen
- Mit den Septem Artes Liberales in die Neuzeit
- Unersetzlichkeit im Informationszeitalter (Alltag, Rhetorik, Sprechkunst)

3. Die „Entdeckung“ der Kommunikation
- Denken, Sprechen und Sozialisation
- Begriff Kommunikatiion
- Axiome und Modelle
- Unterschiede von mündlicher und schriftlicher Kommunikation

4. Rhetorische Kommunikation
- Begriff Rhetorik
- Grundformen Rede und Gespräch
- Rhetorische Persönlichkeiten und beispielhafte Persönlichkeiten
- Definition der Rhetorik als optimierte Kommunikation nach Ziel und in konkreter Situation

5. Reden konzipieren und gestalten
- Konzeption nach Ziel, Inhalt, Methodik, Bedingungen und Ergebnissen
- Manuskriptrede
- Stegreifrede
- Freie Rede und ihre Hilfsmittel

6. Dialektik – die rhetorische Lehre von der Gesprächsführung
Gespräche
- Diskussion, Debatte und Polemik
- Fake News erkennen und entkräften

7. Der Redner – Persönlichkeit, Körpersprache und Verhalten
- Charisma – Beispiele von Rednerpersönlichkeiten
- Mimik, Gestik, Motorik
- „Rhetorik-Knigge“

8. Situation, Stilistik und Polemik
- Rhetorische Stilfiguren und Fragetechniken
- Stilebenen

9. Medien für die Rhetorik und Medienrhetorik
- Medien für die Rhetorik
- multimedial unterstützte Rhetorik (Recherche, Training, Gestaltung, Ergebnissicherung)
- Medienrhetorik: Presse, Rundfunk, Fernsehen

10. Rhetorik und Künstliche Intelligenz
- praktische Möglichkeiten und moderne Medien
- Trainingsbeispiele (z.B. TED oder Jugend debattiert)
- Konzipieren, Recherchieren, Redigieren und Reflektieren mit KI

11. Trainingsmöglichkeiten
- Beispiele
- Rhetorik als Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens und der Bildung in Schule und Studium (z.B. Vorträge und Diskussionen in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Verteidigung von Abschlussarbeiten)
- Bewertung rhetorischer Leistungen und Ergebnisse

12. Literaturempfehlungen
- Bücher
- TV-, Funk-, Film- und Internetverweise (Auswahl)

Dieser Leitfaden wird auch im Zusammenhang mit der Kleinen Lehr- und Lernwörterbuch... veröffentlicht: https://myrhetro24.de/


Donnerstag, 2. April 2026

Mal wieder zu Ostern Goethe lesen

Grafik: Copilot
Faust: Vor dem Tor... die deutschen [Spieß] Bürger ... am Rande des Osterspazierganges

Andrer Bürger:
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.


Dritter Bürger:
Herr Nachbar, ja! so laß ich's auch geschehn:
Sie mögen sich die Köpfe spalten,
Mag alles durcheinander gehn;
Doch nur zu Hause bleib's beim alten.

Goethe, Faust. Gesamtausgabe.Insel Verlag, Leipzig 1967, S. 157 

Montag, 30. März 2026

Thesen zur Redefreiheit

Nach Timothy Garton Ash

de.wikipedia.org/wiki/Timothy_Garton_Ash


In seinem 2016 auf Deutsch erschienenen Buch Redefreiheit. Prinzipien für eine vernetzte Welt formuliert Ash „Zehn Prinzipien für die Redefreiheit in der digitalen Welt“. Er entwickelt sie aus einem von der Universität Oxford (Sitz seines Lehrstuhls) betriebenen Internetplattform-Projekt freespeechdebate.com), auf dem alle Recherchen zum Thema in dreizehn Sprachen dokumentiert und zur Diskussion gestellt werden: 

  • Alle Menschen müssen in der Lage und befähigt sein, frei ihre Meinung zu äußern und, ohne Rücksicht auf Grenzen, Informationen und Ideen zu suchen, zu empfangen und mitzuteilen.
  • Weder drohen wir mit Gewalt noch akzeptieren wir gewaltsame Einschüchterung.
  • Wir nutzen jede Chance, Wissen zu verbreiten, und tolerieren hierbei keine Tabus.
  • Wir benötigen unzensierte, vielfältige und vertrauenswürdige Medien, um gut informiert Entscheidungen zu treffen und vollständig am öffentlichen Leben teilzuhaben.
  • Wir sprechen offen und mit robuster Zivilität über alle Arten von Unterschieden zwischen Menschen.
  • Wir respektieren alle Gläubigen, aber nicht unbedingt alle Glaubensinhalte.
  • Wir sollten unsere Privatsphäre schützen und Rufschädigungen entgegentreten können. Jedoch sollten wir auch Einschränkungen der Privatsphäre akzeptieren, sofern dies im öffentlichen Interesse ist.
  • Wir müssen ermächtigt werden, Einschränkungen der Informationsfreiheit zu hinterfragen, die etwa mit dem Schutz der nationalen Sicherheit begründet werden.
  • Wir verteidigen das Internet und andere Kommunikationsmittel gegen illegitime Eingriffe durch öffentliche und private Mächte.
  • Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen und tragen dafür die Konsequenzen.

Donnerstag, 19. März 2026

Für Rhetorik-Fans

Kleines Lehr- und Lernwörterbuch für SprecherInnen in Schule, Studium und beruflicher Praxis

Seit heute steht mein Sammelsurium der rhetorischen Kommunikation über WordPress zur Verfügung. Manches ist zwar noch etwas baustellenhaft (z.B. fehlende Bilder und Skizzen, umständlicher Zugang, erforderliche Vereinheitlichungen). Aber ich sehe es als eine Diskussionsgrundlage und bitte auch um Verbesserungsvorschläge.

Wie funktioniert es?

1. Anschrift https://myrhetro24.de/ aufrufen.

2. "Kleines Lehr- und Lernwörterbuch..." doppelt anklicken - Übersicht der Blocks (Beiträge)

3. Blocküberschriften (Beiträge) anklicken, um zu den alphabetisch geordneten Stichwörtern zu gelangen

4. Button "Zurück" bedienen, um wieder zur Übersicht der Blocks zu kommen

Danke für das Interesse und viele rhetorische Erfolge.

G. Dietmar Rode

Sonntag, 22. Februar 2026

Medienkompetenz ist so wichtig

 Schulfach „Fake News“ erkennen

Schulfach „Fake News“ erkennen
Als eine Studie zeigt, wie schlecht es an Schulen um Nachrichtenkompetenz steht, hat ein Dresdner eine Idee. Fünf Jahre später findet deutschlandweit jeden Tag ein Kurs an einer Schule statt. Die ostdeutsche Identität ist dabei ein Vorteil.
Von Moritz Schloms
Artikel anhören

Dresden.
Das Video, welches Linda Lange und Janine Goliaß der Klasse am Gymnasium Pieschen vorspielen, zeigt Friedrich Merz, der eine Parteitagsrede hält. Der Kanzler fragt darin scheinbar, warum Menschen, die 530 Euro verdienen, nicht einfach mehr Geld verdienen können. Unter dem Video sammeln sich wütende Kommentare, die den Auftritt heftig kritisieren. Andere fragen, ob das Video überhaupt echt ist oder doch mit Künstlicher Intelligenz erstellt wurde. Zu überprüfen, was es mit dem Videoschnipsel auf sich hat, ist auch die Aufgabe, die Linda und Janine der neunten Klasse am Gymnasium Pieschen stellen.

Freitag, 6. Februar 2026

In der Kürze liegt die Würze

Denk-Schreib-Aufgaben für das Rhetorik-Training und das Publizistische Arbeiten

Ein guter Rhetor brauch verständliche Texte (Logos) mit überzeugender Aussage oder motivierender Fragestellung (Ethos), die auch zur Vortragsübung geeignet sind (Pathos). Daie nachfolgenden Textformen eignen sich dafür. Probiert es aus!

Leserbrief für eine Tageszeitung

Ein Leserbrief (z.B. an die Sächsische Zeitung )ist eine schöne Möglichkeit, sich in die öffentliche Debatte einzubringen – und die Redaktion ist durchaus offen für pointierte, gut begründete Beiträge. Aber auch für individeuelle Kommunikationsübungen sind sie gut geeignet, wie die Studierenden in meinem aktuelle Seminar "Öffentlichkeitsarbeit und Publizisatisches Arbeiten"  an der Dualen Hochschule Sachsen bestätigen werden.

Kommentare zu Fotos in Alben oder Webseiten, Geburtstagsgrüße per E-Mail oder Postkarte und Widmungen in verschenkten Büchern sind ebenfalls Anwendungsbeispiele mit Esprit.

Ein paar Dinge erhöhen die Chancen, dass dein Text gedruckt wird und inhaltlich gut ankommt.

- möglichst kurz (1.000 - 1.500 Zeichen, d.h. 170 - 250 Wörter) und gut verständlich,
- authentisch (mit persönlichem Standpunkt und keinesfalls anonym),
- knapp und pointiert (Anlass/Bezug - Position - Begründung/kurzer Schluss),
- ohne beleidigend, diskriminierend oder verfälschend zu wirken.

Haiku

Haiku (japanisch 俳句; Plural: Haiku, auch: Haikus) ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das (oder der) Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. (Wikipedia, 06.02.26)

 

Ein Haiku zu schreiben ist eine wunderbare kleine Konzentrationsübung – knapp, klar, poetisch. Ich zeige dir gern, wie du das machst. (Copilot, 06.02.26)

 

Grundprinzipien eines Haiku

Ein klassisches Haiku folgt drei einfachen Regeln:

 

1. Drei Zeilen

1. Zeile: 5 Silben

2. Zeile: 7 Silben

3. Zeile: 5 Silben

 

2. Naturbezug

Traditionell beschreibt ein Haiku einen Moment in der Natur oder eine Beobachtung im Jahreslauf.

 

3. Augenblicksstimmung

Ein Haiku fängt einen Moment ein – etwas Flüchtiges, das man gerade wahrnimmt.

 

Beispiel (auf Deutsch)

 

Wintermorgenlicht 

leise sinkt der Atemzug 

über kalten Stein

 

So schreibst du selbst eines

 

Eine kleine Anleitung, die du sofort anwenden kannst:

  1. Beobachte etwas Konkretes z. B. Licht, Wind, Geräusch, Temperatur, Bewegung.
  2. Notiere drei kurze Bilder oder Eindrücke Was siehst du? Was verändert sich? Was fühlst du?
  3. Forme daraus drei Zeilen Passe die Silbenzahl an (5–7–5), aber ohne dich zu sehr zu quälen – moderne Haikus sind oft flexibler.
  4. Lass ein kleines „Aha“ entstehen Ein Haiku lebt von einer leisen Überraschung oder einem Perspektivwechsel. 

Heutiges Ergebnis:

 

Für Morgen frag mich.

Was wird wohl fassbar sein?

Das merke dir gut.


Aphorismus 



Geistesblitz, prägnant formulierter Gedanke (geistreich, witzig, pointiert usw.). Die oft unerwartete Wendung soll dazu dienen, den Leserzum kritischen Nachdenken anzuregen.



Einer der großen Aphoristiker der deutschen Literatur. war Georg Christoph Lichtenberg.

Seine „Sudelbücher“ enthalten hunderte kurze, scharfe, witzige, manchmal bissige Gedanken – oft nur ein Satz, aber mit enormer Tiefenschärfe.

Typisch Lichtenberg (May, Y.: LIterarische Grundbegriffe. Reclam, Stuttgart 2012, S. 17):

  • überraschende Perspektivwechsel

  • wissenschaftliche nbzw. künstlerische Neugier

  • Humor und Selbstironie

  • präzise Beobachtung im Alltags

Beispiele:

- Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feidne der Freiheit. (Marie von Ebner Eschenbach)

- Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenken. (Rosa Luxewmburg)



Samstag, 6. Dezember 2025

Sine rhetorica nulla victoria

 Ohne Rhetorik kein Sieg

Dieser Ausspruch klingt antik, lässt sich aber keinem klassischen Autor eindeutig zuordnen. Er ist kein überliefertes Zitat z.B. von Demosthenes, Cicero, Quintilian oder aus anderen griechischen oder lateinischen Quellen, sondern ist eher eine moderne Sentenz, die in der Rhetorik‑Didaktik und politischen Kommunikation verwendet wird.

Verfolgt man das öffentiche Geschehen, wird man feststellen, dass manche öffentlichen Redner bzw. Rednerinnen, einschließlich vieler Lehr- und Ausbildungspersonen oder Verwaltungs- und Servicemanager da erheblichen Nachholebedarf haben. In den Schulen und akademischen Einrichtungen gibt es heute nur noch nur selten rhetorische Lehrgegenstände. Da ich selbst Dozent für rhetorische und publizistische Kommunikation an zwei Hochschulen bin, habe ich mich deshalb immer bemüht, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu unterstützen und auszustrahlen.

Mein "Lehr- und Lernwörterbuch für RednerInnen in Schule, Studium und Beruf" soll ein Beitrag dazu sein undich stelle nun eine Rohfassung über Wordpress ins Netz: https://myrhetro24.de/. Ich schalte es gern für Interessierte frei.


 „Wenn ich ein Wort verwende“, erwiderte Humpty Dumpty[1] ziemlich geringschätzig, „dann bedeutet es genau, was ich es bedeuten lasse, und nichts anderes.“

„Die Frage ist doch“, sagte Alice, „ob du den Worten einfach so viele verschiedene Bedeutungen geben kannst“.

„Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat – und das ist alles.“[2]



[1] Figur aus einem britischen Kinderreim in einem ursprünglich als Rätsel gedachten Gedicht: buckliger Gedrungener, auch Goggelmoggel genannt

[2] Carroll, Lewis: Alice hinter den Spiegeln. Illustration von John Tenniel, 1871 


Donnerstag, 25. September 2025

Das Rhetorik-Monster Donny Gaga

 Wie könnte er aussehen und tönen?

Auf diese Frage antwortete Copilot:

Hier ist Donny Gaga, das Rhetorik-Monster, in voller Pracht!

Ein Wesen, das mit scharfer Zunge und noch schärferem Verstand die Bühne dominiert—halb Debattierchampion, halb Pop-Provokateur. Wenn Worte Waffen wären, hätte Donny Gaga ein ganzes Arsenal.

Wenn du magst, können wir gemeinsam seine rhetorischen Superkräfte weiterentwickeln: Welche Stilmittel nutzt er? Was ist seine Signature-Metapher?

Donny Gaga, das Rhetorik-Monster, ist ein Meister der performativen Überwältigung. Seine Techniken sind laut, grell und strategisch pointiert—eine Mischung aus klassischer Redekunst und popkultureller Provokation. Hier sind einige seiner bevorzugten rhetorischen Waffen:

1. Amplifikation durch Hyperbole Donny Gaga übertreibt bewusst, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Emotionen zu wecken. Beispiel: „Diese Idee ist so schlecht, sie müsste sich öffentlich entschuldigen!“

2. Ironie und paradoxe Wendungen Er liebt es, Erwartungen zu unterlaufen und scheinbare Widersprüche zu inszenieren. Beispiel: „Natürlich bin ich bescheiden. Ich bin der Bescheidenste von allen.“

3. Metaphern als Identitätsmarker Er nutzt bildhafte Sprache, um komplexe Ideen greifbar zu machen und sich selbst als Figur zu inszenieren. Beispiel: „Ich bin kein Redner. Ich bin ein rhetorischer Vulkan.“

4. Anaphern und rhythmische Wiederholung Durch Wiederholung verstärkt er seine Botschaft und erzeugt einen fast musikalischen Sog. Beispiel: „Ich sage euch: Es reicht. Ich sage euch: Es ist Zeit. Ich sage euch: Wir ändern das.“

5. Ethos als groteske Selbstinszenierung Er spielt mit seiner monströsen Identität, um Glaubwürdigkeit durch Überzeichnung zu gewinnen. Beispiel: „Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Argument auf zwei Beinen.“

6. Fragmentierung und Sprunghaftigkeit Er bricht bewusst den Fluss, um Aufmerksamkeit zu binden und Denkprozesse zu stören. Beispiel: „Was ist Wahrheit? Was ist Lüge? Was ist... überhaupt los hier?“


Donny Gagas Signatur-Metapher ist: **„Ich bin ein rhetorischer Vulkan.“ 

Diese Metapher bündelt seine ganze Inszenierung:

  • Explosiv: Seine Reden brechen plötzlich aus, voller Energie und Überraschung.
  • Unkontrollierbar: Er wirkt wild, ungebändigt, als ob jedes Wort aus dem Innersten geschleudert wird.
  • Transformativ: Wie Lava formt er die Landschaft der Debatte neu—verbrannt, aber fruchtbar.
  • Unvermeidlich: Man kann ihn nicht ignorieren. Selbst wenn man sich schützt, spürt man die Hitze.

Diese Metapher ist nicht nur stilistisch stark, sondern auch performativ: Sie macht ihn zur Naturgewalt der Sprache, zur eruptiven Kraft im Diskursraum.