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Montag, 19. Februar 2024

Was ist eine Filterblase? Und wo entstehen Echokammern?

Über die kommunikative Blasenkrankheit

Mit Hilfe von Copilot


Sogenannte Filterblasen entstehen im Zusammenhang mit sozialen Medien, aber auch mit bestimmten politischen  Tendenzen (parteipolitische Differenzierungen) in unserer Gesellschaft. Sie entstehen „durch Algorithmen [mit] gesteuerten Darstellungen nur solcher Informationen, die den (angenommenen) Ansichten, Meinungen oder Interessen der jeweiligen Adressaten entsprechen“[vgl. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: www.dwds/wb/Filterblase]

Den Nutzern von sozialen Netzwerken, Stammtischrunden oder Hinterzimmer-Veranstaltungen (z.B. Parteiversammlungen) werden immer nur die Nachrichten zugespielt, die ihren Erwartungen bzw. ihrem Weltbild entsprechen (Self-fulfilling prophecy - sich selbst erfüllende Erwartungen). Alles wird weggefiltert, was nicht einer vorgefassten Meinung oder bestimmten Dogmen entspricht. Und was ist dann eigentlich drin in einer solchen Blase?

Ein Synonym zu Filterblase ist die Bezeichnung Echokammer. Von den Wänden eines kommunikativen Raumes wird quasi der Schall der immer gleichen Worte und Meinungen hin und her geworfen. Es entsteht kein Neuwert für die politische Bildung und die demokratische Kooperation. Die Leute lesen immer weniger Zeitungen und schimpfen über die Öffentlich-rechtlichen, ohne sie selbst intensiv zu verfolgen.

Ich habe den Eindruck, dass diese kommunikative Krankheit bereits auch die Partei ziemlich akut ergriffen hat, die ich bisher gewählt habe. Beispiele dafür sind der zaghafte Umgang mit Zahlen zu problematischen Entwicklungstendenzen (z.B. Mitgliederschwund). Auch das Verschweigen bestimmter schwieriger Probleme (z.B. Umgang mit der AfD oder die offene Bewertung des BSW) ist typisch dafür. 


Der für eine Demokratie erforderliche offene Dialog geht immer mehr den Bach hinunter, ganz abgesehen davon, wieviel Gezänk und Gestank er mit sich führt, während immer mehr Hass und Gewalt an seinen Rändern angespült werden. Die Kultur des Meinungsstreites, ein zentrales Thema politischer Rhetorik seit der Antike, verkümmert immer mehr. Aus Beratungen der Vorstände  und der Mitgliedergremien an der Basis dringt so gut wie nichts nach außen. Eine Webseite, so sie denn noch geführt wird, ist prinzipiell nicht aktuell und wird an den eigentlich wichtigen Inhalten vorbei geführt. 

Aber gerade die Öffentlichkeitsarbeit ist ja die maßgebliche Voraussetzung für das Bild, was sich die Wählerschaft von den Parteien macht. Und deshalb wird sich daran im bevorstehenden Wahlkampf viel ändern müssen. Denn der wird nicht in den Echokammern, sondern an den Wahlurnen umgesetzt.



[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. www.dwds.de/wb/Filterblase (18.02.2024, 10:00)


Sonntag, 27. November 2016

Seine einfache Sprache ist sehr wirksam

Donald Trump:
https://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Trump
Über Donald Trumps Rhetorik

Die Neueste Züricher Zeitung (NZZ, Matthias Knecht) führte am 27.11.2016 ein Interview mit der Linguistin Elisabeth Wehling, die Trumps Wahlsieg, nicht auf Grund von Umfragen, sondern ihrer Untersuchungen zur politischen Sprache, vorausgesagt hatte. Sie erklärt im Interview, was man von Trumps "Rhetorik" lernen kann. 


Die aus Hamburg stammende Linguistin leitet am International Computer Science Institute in Berkeley Projekte zur Erforschung von Ideologie, Sprache und unbewusster Meinungsbildung. Davon handelt auch ihr neuestes Buch «Politisches Framing». 


Und hier ist das Interview im vollen Wortlaut:

NZZ am Sonntag»: Sie gehören zu den wenigen Wissenschaftern, die einen Sieg Donald Trumps für wahrscheinlich hielten. 

Elisabeth Wehling: Ja, ich habe immer gesagt, Trump wird es schaffen. Damit wurde ich jetzt um 500 Dollar reicher. Denn ich war in unserem Forschungsteam in Berkeley die Einzige, die auf ihn gesetzt hat. Allerdings, zum Ende stellte ich mich wegen der Umfragen langsam auf Wettschulden ein.

Sie verliessen sich jedoch nicht auf Umfragen, sondern auf Ihre Untersuchungen der politischen Sprache.
Das stimmt, und es ist mir fast unheimlich, wie sehr das gestimmt hat.

Was ist an Trumps Sprache so besonders? 

Die Einfachheit. Trump ist auf einem Niveau, das nennen wir in der Forschung «basic level cognition». Das sind immer Wörter, die sinnlich wahrnehmbar sind, die man förmlich anfassen, schmecken, sehen, hören kann. Die Mauer nach Mexiko ist so etwas. Diese einfache Sprache ist sehr wirksam. Das ist empirisch belegt.